Betriebsreportage - Familie Gaugl - Mönichwald

In Mönichwald am Fuße des Hochwechsels in der nördlichen Oststeiermark befindet sich auf einer Seehöhe von 1.040 m der kleine, aber feine Fleckviehzuchtbetrieb der Familie Gaugl, Züchter der Stiere GS MAXIMAL, GS VIKING, ZACHARIUS, MUST HAVE und GS WUNDERINO. Einen Teil der landwirtschaftlichen Produkte bietet die Familie in ihrem Alpengasthof Spitzbauer an.

Im Jahr 1988 beschloss Familie Gaugl, ihren Betrieb auf die Milchviehhaltung umzustellen. 1991 kaufte sie zehn trächtige Kalbinnen und trat dem Kontrollverband bei. Schon sehr früh, im Jahr 1998, planten und bauten sie einen Liegeboxenlaufstall für 22 Kühe mit Spaltenboden und Hochboxen. Gemolken wird seither in einem 2x2-Tandem-Melkstand. Einige Jahre später wurde für die Kalbinnen der Anbindestall in einen Liegeboxen-Laufstall umgebaut. Die Kälber sind in der Tränkephase in Einzelboxen und danach kommen sie in eine Gruppenbox.

Für die Höhenlage werden die 22 ha landwirtschaftliche Nutzfläche sehr intensiv bewirtschaftet. Je nach Witterung wird das Grünland vier- bis fünfschnittig genutzt und nachgeweidet. Um die Qualität des Grundfutters hochzuhalten, zählt die Nachsaat zum jährlichen Standardprogramm. Die gesamte Außenwirtschaft wird von der Familie selbst erledigt. Zum Betrieb gehören auch 10 ha Almfläche auf zwei verschiedenen Standorten. Das Jungvieh befindet sich in den Sommermonaten, ab einem halben Jahr bis ca. ein Monat vor dem Kalben, auf der Alm. Zusätzlich zum Grünland wird jedes Jahr 1 ha Getreide in Form von Roggen oder Sommergerste angebaut, damit sich der Betrieb mit dem nötigen Stroh selbst versorgen kann.

Einfach, aber effektiv

Die Futtervorlage im ganzen Stall erfolgt mit der Hand. Im Sommer, wenn das Jungvieh nicht im Stall ist, werden die Kühe auch geweidet und bekommen im Stall Ballensilage. Die Kraftfuttergabe erfolgt mit dem Transponder, dort bekommen die Kühe zwei Kraftfuttersorten, welche zur Gänze zugekauft werden. Das Energiekraftfutter bekommt jede Kuh und die zweite Kraftfuttersorte ist für den Start in die Laktation und für höherleistende Kühe. Durch den hohen Eiweißgehalt im Grundfutter ist es wichtig, dass die Kühe ihre Energie über diese Futtermittel aufnehmen, so Josef. Die Fütterung am Betrieb muss einfach, aber effektiv sein.
Die Kälber werden 10 bis 12 Wochen mit Vollmilch rationalisiert gefüttert. Ihnen wird ab dem ersten Tag Wasser, Heu und Kraftfutter aus dem eigenen Getreide zur Verfügung gestellt.
Die Kalbinnen werden je nach Gewicht und Entwicklung belegt und nicht nach Alter. Natürlich ist es auch wichtig, dass die Kalbinnen nicht zu alt werden. Man muss die Entwicklung der Tiere berücksichtigen, es sind schließlich keine Maschinen und nicht alle gleich. Die Kalbinnen sollten beim Belegen mindestens 420 kg haben.  
Durch das ausgeprägte Weiden ist es für Familie Gaugl wichtig, dass die Tiere umgänglich sind, deshalb verbringt jede trächtige Kalbin auch einige Tage in der Anbindehaltung.

Zuchtstrategie

Der Stiereinsatz auf dem Betrieb ist schon immer sehr breit gestreut. Generell werden von einem Stier nie mehr als drei bis vier Portionen besamt. Früher waren sie bestrebt, auf sichere Stiere zu setzen. Seit dem Jahr 2016 setzt Familie Gaugl in der Zucht zu 100 Prozent auf genomische Jungvererber. Ausschlaggebend dafür war die Typisierung von GS MAXIMAL. Der MARTIN-Sohn aus der REUMUT-Tochter ZITHA war die erste von vielen erfolgreichen Typisierungen am Betrieb Gaugl. Mittlerweile ist die gesamte weibliche Nachzucht am Betrieb genotypisiert und ca. ein Drittel der männlichen wird getestet.

„Für unseren Betrieb ist die Typisierung der Nachzucht ein sehr wichtiges Werkzeug in der Zucht geworden, dadurch können wir die besten Jungstiere für unsere Tiere auswählen und den vollen Nutzen aus diesem System schlagen. Man weiß zu einer hohen Wahrscheinlichkeit, was die weiblichen Tiere vererben und kann so den passenden Stier leichter auswählen“, sagt Josef. Die Stierauswahl trifft Josef nach Aktualität der Stiere, Linienkombinationen, Gesamtzuchtwert und Exterieur, wobei ihm hier besonders Fundament und Euter wichtig sind.

Die genetisch interessantesten Jungtiere werden am Betrieb für den Embryotransfer genutzt. Durch die Teilnahme am Projekt FoKUHs ist das genetische Potential der Herde noch mehr in den Vordergrund gerückt. So sind etwa von 45 weiblichen Tieren am Betrieb 20 mit einem GZW von über 120 und von denen nochmal 8 über 130. Nicht nur die Z-Linie am Betrieb typisiert gut, sondern auch Tiere aus zwei anderen Linien können Gesamtzuchtwerte von über 130 Punkten vorweisen. Auch hornlos wird immer wichtiger — so sind zum Beispiel eine genetisch interessante mischerbig hornlose POLLEDKING-Tochter und eine reinerbig hornlose GS MYSTERIUM-Tochter am Betrieb.

Die Ausnahmekuh auf dem Betrieb

Die wohl bekannteste Kuh aus dem Stall ist die REUMUT-Tochter ZITHA. Sie geht auf einen Jungviehzukauf im Jahr 2004 zurück. Damals wurde eine MAMMUT-Tochter zugekauft. Über WEINOLD, RORB und RUMGO kam es dann zu ZITHA. Die Mutter von ZITHA, RUMGO-Tochter ZOE, war die erste Kuh auf dem Betrieb mit einer Tagesmilchmenge von über 50 kg.

ZITHA brachte selbst bereits sechs Kälber zur Welt, von denen vier auf Stationen in Österreich stehen. Ihr erstes Kalb, der nun positiv geprüfte Vererber GS MAXIMAL, war der Startschuss für die züchterisch steile Karriere dieser Kuh. GS MAXIMAL bestätigte seine hervorragenden Gene bereits über seine Töchter. Nach dem zweiten Kalb, einer MAHANGO-Tochter, entschied man sich, einen Embryotransfer zu machen. Aus diesem Transfer stehen zwei MONUMENTAL-Töchter am Betrieb. Das dritte Kalb war der VIANTOR-Sohn GS VIKING, das vierte der GS ZICKZACK-Sohn ZACHARIUS und das fünfte Kalb der WEISSENSEE-Sohn GS WUNDERINO, welcher momentan mit einem GZW von 143 ganz vorne in den Listen zu finden ist. Nach GS WUNDERINO wurde ZITHA nochmal über Embryotransfer genutzt und aus diesem stehen jetzt zwei EMERALD-Töchter in Aufzucht auf dem Betrieb. Momentan befindet sich ein interessanter GS ZARAS-Sohn von ihr in Aufzucht. Alle Stiere vererben das Profil, welches ZITHA auszeichnet: gute Strichplatzierung, fest aufgehängte Euter und hohe Inhaltsstoffe.
Aus der MAHANGO-Tochter ZINNE ist auch bereits der reinerbig hornlose MINERAL-Sohn MUST HAVE auf einer Station. Bei den hervorragenden Töchtern, die GS MAXIMAL bis jetzt hinterlassen hat, darf erwartet werden, dass auch seine Halbbrüder noch viele tolle Kühe hervorbringen werden.

Vermarktung

Zuchtrinder werden über die Zuchtrindermärkte der Rinderzucht Steiermark in Greinbach verkauft. Die männlichen Nachkommen, welche nicht zur Zucht auf die Eigenleistungsprüfstation oder zu einem Stieraufzuchtbetrieb kommen, werden zu Ochsen gemacht und in der Region fertig gemästet.
Selektiert wird streng nach Euter, Fundament, Milchleistung und Inhaltsstoffen. Die Euterqualität ist laut Josef sogar so wichtig, dass kein Kalb mit einer Eutertypisierung unter 100 aufgezogen wird.

Ziel ist es, einen möglichst hohen Zuchtfortschritt zu haben. Selektionsintensität und Generationsintervall sind die größten Hebel für eine fortschrittliche Zucht, somit ist es manchmal auch nötig, ältere Kühe auszuscheiden, um mehr Zuchtfortschritt zu erreichen.

Ein weiteres Standbein des Betriebes ist der Alpengasthof Spitzbauer (www.spitzbauer.at). Hier werden neun Zimmer vermietet und in der Küche ein Teil der eigenen landwirtschaftlichen Produkte verarbeitet.

Die Rinderzucht Steiermark wünscht der Familie Gaugl noch viele Erfolge in der Zucht sowie alles Gute in Haus und Hof!