Aktuelle Termine

20.03.2021 Dairy Grand Prix Austria
17.04.2021 Rinderschau 2021 111 Jahre Rinderzucht Bezirk Liezen
28.08.2021 Bundesfleckviehschau mit Weltkongress
Sie befinden sich hier: Home » Betriebsreportage - Familie Köck, Neumarkt in der Steiermark

Betriebsreportage - Familie Köck, Neumarkt in der Steiermark

Bio muss nicht immer extensiv sein von Stephan Rottensteiner Ing. MSc., Rinderzucht Steiermark

Auf einer Hochebene am Osthang der Grebenzen, einem Plateuberg im Grenzgebiet zwischen Steiermark und Kärnten, liegt auf einer Seehöhe von 1000 m der Bio-Heumilchbetrieb der Familie Köck. Die Hauptproduktionszweige sind Milchwirtschaft, Forstwirtschaft sowie die Jungkuhvermarktung. Eingebettet in ein Blumenmeer mit vielen liebevollen Details rund um Haus und Hof wird auch Urlaub am Bauernhof ganzjährig angeboten.

Aufgrund der geographischen Lage und mit nur knapp 800 mm Niederschlag wird das gesamte Grünland ausschließlich als Dauerwiese genutzt. Mit einer bedarfsgerechten Düngung nach jedem Schnitt und der Aussaat einer Nachsaatmischung (meistens im August) wird eine ordentliche Grasnarbe sichergestellt. Bei kleinen Lücken im Frühjahr wird ebenfalls nochmals nachgesät. Zwei Drittel der Dauerwiese werden in der Regel viermal gemäht und danach noch von den Rindern beweidet. Im Herbst werden die gesamten Weiden nachgemäht. Der Großteil des Heues kommt in die warmbelüfteten Boxen mit Entfeuchter und Dachabsaugung. Für das Jungvieh und die trockengestellten Kühe werden Heuballen gepresst. Das Heupressen wird in Fremdmechanisierung übergeben.

Kurzrasenweide auf 3 Koppeln

Die Futterration der Milchkühe besteht zu 100 Prozent aus bestbelüftetem Heu aus Eigenproduktion. Der Schnittzeitpunkt und die zeitnahe Einbringung nach dem Mähen sind die wichtigsten Merkmale für den Betriebsführer. So wurde auch das Heu der Familie Köck für seine Topqualität zum „Heukönig“ prämiert. Aufgewertet wird die Fütterung durch Kraftfutter sowie durch eine Mineralstoffmischung und Salzlecksteine, die sich zur freien Aufnahme im Stall verteilt befinden.
Das Kraftfutter wird zur Hälfte zugekauft und der Rest besteht aus einer eigenen Mischung aus Mais, Triticale und Gerste. In den Wintermonaten werden die Biokühe zusätzlich mit Kürbiskernkuchen versorgt. Je nach Leistung und Laktationsstadium bekommen die Kühe bis zu 8 kg Kraftfutter am Tag.
Ab Mitte/Ende April nach dem Sprießen der ersten Gräser kommen die Milchkühe auf die Weide. Mit drei Koppeln wird ein System der Kurzrasenweide erreicht. Zusätzlich wird bis zum zweiten Aufwuchs das Heu aus dem Vorjahr dazu gefüttert, danach wird bis Oktober frisch gemähtes Gras dazu gefüttert. Die Trockensteher befinden sich auf der Weide bzw. im Tieflaufstall. Das benötigte Stroh wird zu Gänze mit guter Qualität zugekauft.

Gebäude und Maschinen

Bei der Hofanlage wurden in den vergangenen Jahren laufend Erneuerungen durchgeführt; erbaut wurde die Heubergehalle mit Belüftungsbox nach einem Brand im Jahr 1985. Im Jahr 2005 kam es zum Zubau für die Milchkühe. Der Kuhbereich wurde als Laufstall mit komfortablen Tiefboxen, befestigten Laufgängen und mit einem Schrapper für den Mist errichtet. 2009 wurde der Tretmiststall im Altbau für das Jungvieh errichtet. Danach folgte noch der Zubau für die Trockensteher und Kälber: ein Tieflaufstall mit Spaltenboden im Fressbereich. Gemolken wird in einem 1 x 7-Sägezahn-Melkstand mit Milchmengenmessgerät und Abnahmeautomatik. Außerdem befindet sich im Stall eine Abkalbebox mit anschließenden Einzelboxen für die neugeborenen Kälber. Die Kälber bleiben solange in dieser Box, bis sie trocken sind, danach wechseln sie in die Iglus. Die Kälber kommen anfangs in Einzel- und danach in die Gruppenhaltung. Der Betrieb ist für alle anfallenden Arbeiten am Betrieb mit den Maschinen selbst ausgestattet.

Viehbestand und Jungkuhvermarktung

Am Betrieb der Familie Köck werden rund 26 Milchkühe und die gesamte weibliche Nachzucht gehalten. Täglich genügend Auslauf für die Kälber sowie Weidehaltung für das gesamte Jungvieh hat hohen Stellenwert.
Der Zuchterfolg für eine leistungsbereite Kuh beginnt bereits im Kälberstadium. Die Kälber sollen sich gut entwickeln können, so entschieden sich die Betriebsführer, die Kälber mit angesäuerter Vollmilch zu versorgen. Mindestens zwölf Wochen lang werden die weiblichen Kälber mit rund acht bis zehn Litern Milch versorgt. Zusätzlich wird den Kälbern eine Eigenmischung an Kraftfutter, Heu und Wasser zur freien Aufnahme angeboten. Bevor es zur Einstellung im Winter kommt, wird die gesamte Herde geschoren, um die Tiere besser sauber zu halten. Auch professionelle Klauenpflege hat am Hof hohe Priorität, denn nur eine gesunde, fitte Kuh kann Milch produzieren. Die Kühe werden rund sechs bis acht Wochen trockengestellt, kommen gut vierzehn Tage vor der Abkalbung wieder zur Milchvieherde dazu und werden langsam angefüttert.
Durch eine ordentliche Aufzucht, den Einsatz von ausgeglichener Genetik sowie besten Umgang mit den Tieren wird versucht, eine produktive Milchkuh für die Vermarktung zu züchten.
Im Jahr werden rund sechs bis acht Jungkühe über das Rinderzuchtzentrum Traboch zu besten Erlösen vermarktet. Ziel ist es, in den nächsten Jahren die Jungkuhvermarktung deutlich zu forcieren. Die Biokühe werden mit Einsatzleistungen von 24 bis 32 Litern angeboten. Es hat selten eine Kuh gegeben, die unter 2.000 Euro Zuschlagspreis vermarktet wurde. Die Stierkälber werden zur Gänze mit einem Gewicht von 80 bis 100 Kilo über den Zentralviehmarkt in Traboch verkauft.

Besamung und Zuchtphilosophie

Josef ist ein engagierter Züchter und Eigenbestandsbesamer. So wird viel Augenmerk auf die Stierauswahl und die Zucht gelegt. Die wichtigsten Merkmale, nach denen ausselektiert wird, sind: Inhaltsstoffe, Fitness, Melkbarkeit, Fundament, Euter und Eutergesundheit. Als Unterstützung nützt die Familie den Anpaarungsplaner GS AIO (Genostar All in One). Die Stärken und Schwächen der einzelnen Kuh können dabei verändert werden. Inzuchtanpaarungen und Erbfehlerrisiken können so gut vermieden werden. Gezielt werden auch genetisch hornlose Stiere besamt. Welcher Stier schlussendlich zum Zug kommt, entscheidet oftmals das züchterische Gefühl. Derzeit werden vor allem die Stiere GS WEEKEND PP, GS WERTVOLL, GS WRESTLER, GS HILFERUF, MANAUS, GS MYSTERIUM Pp, WESTWIND, HERMELIN und ICEBREAKER eingesetzt.

Mit viel Fitness in die Zukunft

Die Köcks legen großen Wert darauf, dass die Nutzungsdauer und die Fitness möglichst hochgehalten werden. Derzeit befinden sich sechs Kühe mit über 45.000 kg Milch auf dem Bio-Heumilchbetrieb. Im Bio-Bereich ist es nicht so einfach, die Auszeichnung TOP HERDE STEIERMARK zu erreichen. Sabine Köck meinte, das sei ein Ziel für die nächsten Jahre.
Folgende Mindestanforderungen müssen gleichzeitig erfüllt werden:
•    Herdenleistung: mind. 700 F+E-kg
•    Zellzahl in der Herde unter 180.000
•    Zwischenkalbezeit in der Herde unter 390 Tagen
•    Durchschnittliche Lebensleistung in der Herde über 25.000 kg Milch
 
Wie man den Betriebsdaten entnehmen kann, ist die Fleckviehherde in puncto Fitnessmerkmalen breit aufgestellt. Seit knapp zwanzig Jahren ist Familie Köck auch erfolgreicher Mitgliedsbetrieb beim Arbeitskreis Milch.
Sehr zielstrebig und mit viel Optimismus kann die gesamte Familie in die Zukunft schauen. Ein guter Ausgleich zur Landwirtschaft stellt für die Betriebsleiter die aktive Mitgliedschaft bei zahlreichen Vereinen dar, vor allem in der Sängerrunde Kohlröserl, Zeutschach. Josef ist auch aktiv im Vorstand der Viehzuchtgenossenschaft Neumarkt vertreten. Wir wünschen weiterhin viel Glück und Gesundheit in Haus und Hof.

Erfolge in der Züchterkarriere
Familie Köck konnte in ihrer noch jungen Züchterkarriere bereits einige Schauerfolge einfahren. Auch die Kinder Thomas, Julian und Sanna sind engagierte Jungzüchter beim Jungzüchterclub in Murau. Sie nahmen bereits mehrmals erfolgreich an Jungzüchterbewerben teil.