Aktuelle Termine

29.09.2020 Zuchtrinderversteigerung Greinbach
15.10.2020 Zuchtrinderversteigerung St. Donat
20.03.2021 Dairy Grand Prix Austria
Sie befinden sich hier: Home » Betriebsreportage - Familie Harrer, Riegersburg

Betriebsreportage - Familie Harrer, Riegersburg

Fleckviehzucht im Herzen des steirischen Vulkanlandes von Ferdinand Haas, Rinderzucht Steiermark

Im steirischen Vulkanland gibt es nicht mehr so viele Fleckviehzüchter wie andernorts. In dieser Region ist die landwirtschaftliche Vielfalt groß und in der Rinderwirtschaft hat der Strukturwandel in den letzten Jahren stark gegriffen. Rund um die Riegersburg befinden sich jedoch mehrere wahre Könner der Fleckviehzucht.

Einer von ihnen ist der Betrieb von Helmut und Ingrid Harrer mit 70 Fleckviehkühen.

Bereits im Jahr 1997 wurde ein Laufstall mit Tiefboxen und Schrapper für die Kühe gebaut. Dieser wurde im Jahr 2010 zu klein und man entschloss sich zu einem Neubau mit gesteigertem Kuhkomfort. 2010 zog die Herde in den neuen Stall ein. Ein Wachstum bis zur jetzigen Größe der Herde ergab sich erst nach dem Fall der Milchquote. Im letzten Jahr wurde für die Jungviehaufzucht und die trockenstehenden Kühe ein neuer Stall errichtet. Die Trockensteher und Kalbinnen bis acht Monate haben einen großzügigen Strohbereich zur Verfügung. Danach kommen die Kalbinnen in den Bereich mit Spalten und Hochboxen.

Fütterung
Das Ziel des Betriebsführers war immer eine ausgeglichene leistungsstarke Herde. Deshalb erfolgte vor zehn Jahren die Umstellung von Transponderfütterung auf eine Voll-TMR. Da schon sehr früh auf eine gute Persistenz geachtet wurde, funktionierte die Umstellung ohne größere Probleme. Die Persistenz ist in der Herde mittlerweile auch gut verankert und einige Tiere sind mit 30, manche sogar mit 35 kg Milch trockenzustellen. Die Zusammensetzung der Ration wird nach jeder Tankmilchprobe aufgrund von Inhaltsstoffen und Harnstoffwert adaptiert. Die Ration stellt sich aus 70 bis 75 Prozent Mais- und Grassilage sowie etwas Stroh und 7 bis 8 kg Kraftfutter zusammen. Die Energiekomponenten Gerste und Mais sind vom Betrieb und das Eiweißfutter wird zugekauft. Bei qualitativ hochwertigem Grundfutter sind 7 kg Kraftfutter ausreichend. Durch den höheren Maissilageanteil in der Ration konnte der Kraftfutteraufwand von 8 kg auf 7 kg pro Kuh reduziert werden. Seit dem heurigen Jahr unterstützt ein automatischer Futteranschieber die Familie Harrer. Den großen Vorteil sieht der Betriebsführer darin, dass die Kühe jederzeit genügend Futter in Reichweite haben.

Kein Anfüttern vor der Abkalbung
Keine Kalbin oder Kuh wird vor der Abkalbung mit der Milchviehration angefüttert. Dadurch will man erreichen, dass die Kühe nicht mit zu hohen Milchleistungen in die Laktation starten, um einer Ketose vorzubeugen. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass das Festliegen nach der Geburt deutlich gesenkt werden konnte.
Die Kälber werden 8 bis 10 Wochen mit Vollmilch gefüttert und nach dem Entwöhnen noch zwei Wochen in einem Großraumiglo gehalten und an die TMR der Laktierenden gewöhnt, bevor sie in den Jungviehstall kommen. Dort wird ihnen die Ration bis zu einem Alter von ca. 10 Monaten vorgelegt, danach bekommen sie nur mehr Grassilage und Stroh.
Das Belegalter der Kalbinnen liegt zwischen 17 und 18 Monaten. Der etwas spätere Belegzeitpunkt macht sich im Jungkuhverkauf bezahlt, da die Tiere deutlich besser entwickelt sind.
Die Bestandsbetreuung, welche alle fünf Wochen vom Tierarzt vorgenommen wird, wirkt sich positiv auf die Tiergesundheit aus.
Die Außenarbeiten werden mit Ausnahme der Maisernte selber durchgeführt. Beim Gras wird aus arbeitstechnischen Gründen auf Rundballensilage gesetzt. Der Mais wird im Fahrsilo konserviert. Den Milchkühen wird ausschließlich das kleebetonte Ackerfutter eingemischt und das Dauergrünland wird den Jungtieren und den Trockenstehern gefüttert. In den letzten Jahren wurden auch immer wieder Luzernegrasmischungen angebaut, da Luzerne auch in längeren Perioden mit wenig Niederschlag noch gute Erträge bringt. Das Ackerfutter wird fünf bis sechs Mal gemäht und das Dauergrünland vier Mal.

Junge Genetik gezielt anpaaren
95 Prozent der Besamungen werden mit genomischen Jungvererbern gemacht. Auf den Zug der Genomik ist man auf dem Betrieb Harrer schon früh aufgesprungen und so war es auch keine große Umstellung, am Projekt FoKUHs teilzunehmen, wo man einen Großteil der Besamungen mit Jungstieren machen muss. Noch vor einigen Jahren wurden Red Holstein gezielt eingesetzt, um Fundament und Euter zu verbessern. Ältere Kühe werden bewusst aus der Zucht herausgenommen und daher mit Belgiern belegt. Es wird nicht ein Stier stark eingesetzt, sondern maximal fünf Portionen von einem. Auch die Linien werden breit gestreut. In letzter Zeit wurden GS WUHUDLER, MANAUS, GS MYSTERIUM, WESTWIND, WÜSTENSOHN, GS INSTAGRAM, GS VOLLSTARK, GS DEFACTO und HERMELIN eingesetzt. Nur der Stier HERZSCHLAG wurde als nachkommengeprüfter Stier noch einmal eingesetzt.

Bei der Anpaarung schaut Helmut Harrer auf das Gesamtpaket. Mit dieser Strategie sind in den letzten Jahren zwei Stiere von der Besamungsstation GENOSTAR angekauft worden. Die Stiere GS VOLL GUT (Valeur x GS Minnesota) und GS MY HERO (Mint x Hurrican) verkörpern das gute Fundament und die fest aufgehängten Euter mit stark ausgeprägtem Zentralband der Herde. NICOL, die Mutter von GS VOLL GUT, steht noch am Betrieb und hat mit sechs  Abkalbungen schon über 80.000 kg Milch ermolken.
Kühe mit mehreren Kälbern sind bei hohem Milchfluss anfälliger für eine hohe Zellzahl. Deshalb wird die Melkbarkeit in der Anpaarung nicht so sehr gewichtet. „Lieber eine geringere Melkbarkeit als mehr Arbeit durch Euterprobleme“, so der Betriebsführer.

Vermarktung
Aufgrund der Nähe zu Slowenien ist es für den Betrieb naheliegend, seine trächtigen Kalbinnen und Kühe über die Ab-Hof-Schiene der Rinderzucht Steiermark nach Slowenien zu exportieren. Die Züchterfreunde in Slowenien sind mit der Genetik aus dem Vulkanland sehr zufrieden und kommen immer wieder, um Neues vom Betrieb Harrer zu erwerben. Die Stierkälber und Schlachtkühe gehen zum Großteil auf den Nutzviehmarkt nach Greinbach.