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Betriebsreportage - Familie Gspurning, vulgo Scherandrä, Edelschrott, Steiermark

Fleckviehzucht mit Idealismus und Freude von Willi Edlinger, Rinderzucht Steiermark

Die Familie Gspurning hat nicht 100 Kühe, hat keinen neuen, teuren Stall, melkt ohne Roboter, füttert von Hand, hat nur 7 Kühe, ist aber mit Freude, viel Engagement und Leidenschaft erfolgreicher Fleckviehzüchter.

In der hügeligen westlichen Weststeiermark, in der Gemeinde Edelschrott, liegt das schmucke kleine Anwesen der Familie Gspurning vulgo Scherandrä. Im 4-Generationen-Haushalt lebt die Betriebsführerin Ingrid Gspurning mit ihrem Mann Klaus, den Kindern Katharina und Simon, Ingrids Eltern Dorothea und Simon Ofner sowie Dorotheas Mutter Susanne. Ingrid arbeitet nebenbei noch geringfügig als Bürokauffrau und übt als Nebentätigkeit die Geschäftsführung der Fleckviehzuchtgenossenschaft Voitsberg aus. Klaus arbeitet als Kontrollassistent beim Landeskontrollverband Steiermark, wo auch sein Schwiegervater bis zu seiner Pensionierung als Zuchtwart tätig war. Katharina (14 Jahre) absolviert die HLW Lipizzanerheimat in Köflach und der 12-jährige Simon besucht die Musik-Mittelschule in Edelschrott. Beide sind begeisterte Jungzüchter und haben auch schon erfolgreich an Wettbewerben teilgenommen.
Während sich Ingrids Vater noch voll in die Landwirtschaft und Zucht einbringt, kümmert sich die Mutter fleißig um den Haushalt und versorgt ihre 95-jährige pflegebedürftige Mutter.

Betriebliche Entwicklung

Ingrid und Klaus haben den Betrieb 2007 von Ingrids Eltern übernommen, welche zuvor die Zucht am Hof aufgebaut haben. Im selben Jahr wurde ein Laufstall für das Jungvieh zugebaut und der Kuhstall an moderne Anforderungen adaptiert. 2008 hat der katastrophale Sturm „Paula“ schweren Schaden angerichtet und mehr als 80 Prozent des Waldes vernichtet. In der Folge hat man drei Hektar gerodet und so die landwirtschaftliche Nutzfläche deutlich erweitert. So sind die Gspurnings in der Lage, jährlich 60.000 kg Milch an die Berglandmilch zu verkaufen.

Sieben Kühe und zwölf Stück weibliches Jungvieh stehen zurzeit im Stall der Familie Gspurning. Die Kühe im Anbindestall sind schnell aufgezählt: Da ist die GS VOGT-Tochter SEIDE, eine rahmige Kuh mit besten Inhaltsstoffen in der vierten Laktation. SOLE ist ebenfalls in der vierten Laktation und verkörpert den Typ ihres Vaters HUTERA sehr gut. Bestes Euter und über 10.000 kg Milch bereits in der ersten Laktation sprechen für sich.

Eine mütterliche Schwester von SOLE ist SONELLA. Die VEUERWERK-Tochter ist die Lieblingskuh der Familie und besticht durch ihre Eleganz und Feinknochigkeit. Die Zweitkalbskuh MELODIE (V.: Mahango) stammt aus der hervorragenden Schaukuh MERYLOU, welche erst vor wenigen Wochen in der siebten Laktation und über 85.000 kg Lebensleistung den Stall verlassen musste.

Die WALDBRAND-Tochter SOLAIKA wird nach einer Frühgeburt leider nicht mehr sehr lange am Betrieb verbleiben können. Die VOLTAIRE-Tochter ESCHE steht in der 1. Laktation und soll nach dem zweiten Kalb zur Zucht versteigert werden. Eine Kuh mit ausgezeichnetem Fundament und einer Einsatzleistung von 34 kg hört auf den klingenden Namen OPERETTE. Die unproblematische GS WALCH-Tochter ist wie alle anderen Kühe ein Eigengewächs des Betriebes.
Im Jungviehstall findet man zwei Töchter des Stieres GS DER BESTE. Die übrigen zehn Rinder haben verschiedene Väter. Sollte im Jungviehstall einmal ein Platz frei werden, wird er durch den Zukauf eines Kalbes oder einer Jungkalbin aufgefüllt.

„Zucht – das ist die Freude auf das zu erwartende Kalb“

Stundenlang brütet die Familie Gspurning oft über die Auswahl der Besamungsstiere, um den richtigen Anpaarungspartner für ihre Tiere zu finden. Nichts wird dem Zufall überlassen. Mit großer Spannung wird dann auch die Geburt erwartet, um das Ergebnis ihrer Überlegungen zu bestaunen. Besonders beliebte Besamungsstiere sind in diesem Jahr Nachkommen aus der HUTERA-Linie. Nachkommengeprüfte Stiere haben absolut ihre Berechtigung. Hornlos-Stiere werden fallweise eingesetzt, auch wenn die Erfolge diesbezüglich sehr überschaubar sind. Aufgrund des Kalbeverlaufes wird bei Kalbinnen gesextes Sperma zum Einsatz gebracht.

Intensive Aufzucht im ersten Lebensjahr

Die Kälberaufzucht erfolgt mit Vollmilch. Bis zur fünften Woche wird dreimal täglich Milch verabreicht. Nach der ersten Woche kommen Kälbermüsli, Heu und Wasser dazu. Um bestmögliche Fresser zu erhalten, erfolgt die Aufzucht im ersten Lebensjahr sehr intensiv.
Die Kühe werden mit Grassilage und bestem Belüftungsheu gefüttert. Im Sommer kommen sie konventionell auf die Halbtagsweide. Im Winter gibt’s Maissilage, welche in Ballen zugekauft wird.
Das Kraftfutter besteht aus Fertigfutter, Gerste, Mais und Rübenschnitten. Als besonderen Leckerbissen freuen sich die Kühe auf Kürbiskuchen. Regelmäßiger Auslauf im Winter ist selbstverständlich.

Eine Besonderheit des Betriebes ist die Vermarktung: Bei nur sieben Kühen ist man in der Lage, drei bis fünf Jungkühe jährlich über die Zuchtrinderversteigerung bzw. über die Plattform Kuh4you zu verkaufen. Das ist nur möglich, wenn die Tiere früh abkalben und ein bis zwei Kälber jeder verkauften Kuh am Betrieb verbleiben. Auch die Anzahl der Schlachtkühe wird so auf ein Minimum reduziert.
Die männlichen Kälber werden mit einem Alter von fünf bis sieben Wochen über die Nutzrindermärkte der Rinderzucht Steiermark vermarktet.

„Wachsen kommt für uns nicht in Frage“, meint die Betriebsführerin Ingrid. Ohne Nebenerwerb ist eine positive Bewirtschaftung ohnehin nicht möglich. Wichtig ist der Zusammenhalt innerhalb der Familie und wie gesagt: Idealismus, Freude und viel Fleiß!