Kolumbien
Reizvolles Land – Starkes Fleckvieh - Steirer als Preisrichter
Ing. Reinhard Pfleger, Rinderzucht Steiermark
Kolumbien liegt im nördlichen Teil von Südamerika umgeben von Pazifik und Karibischem Meer. Das 1,1 Mio.km² große Land zählt 45 Mio. Einwohner. Wirtschaftliches und kulturelles Zentrum ist die Hauptstadt Bogota mit über 10 Mio. Einwohnern.
Rinderwirtschaft in Kolumbien – anders als bei uns...
Die Rinderhaltung hat sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich einen hohen Stellenwert und zählt neben der Kaffee- und Blumenerzeugung zu den wichtigsten Sparten der Landwirtschaft.
Die Wirtschaftsweise in Zucht und Produktion ist mit unseren Breiten nicht vergleichbar, was auf Unterschiede in Geschichte, Struktur und Klima zurückzuführen ist. Auffallend war bei Besuchen von Betrieben, dass Vorratswirtschaft von Grundfutter aufgrund der ganzjährig identen Witterung und Vegetation kaum praktiziert wird.
Die zur Fleischproduktion gehaltenen Tiere stammen meist aus Kreuzungen von lokalen Urrassen mit Fleckvieh und gehen hauptsächlich auf großen Weideflächen.
Zuchttiere stammen vielfach aus importierten oder vor Ort produzierten Embryonen und gezielten Paarungen mit österreichischer und bayrischer Genetik.
Die Reinzucht von Fleckvieh ist aktuell wirtschaftlich sehr interessant, da das Preisniveau für Zuchttiere hoch ist und das Angebot von Tieren für Kreuzungszucht in Milch- und Fleischproduktion in Kolumbien und den Nachbarländern die Nachfrage kaum decken kann.
Die Arbeitskräfteausstattung auf den Betrieben ist großzügig, das Lohnniveau für Landarbeiter niedrig.
Nationalschau in Medellin – eine Großveranstaltung…
Höhepunkt und eigentlicher Grund der Reise nach Kolumbien war die Nationalschau in Medellin, der EXPOFINCA 2011. Ing. Reinhard Pfleger wurde vom kolumbianischen Verband als Einzelpreisrichter für Fleckvieh geladen. Für die Ausstellung waren knapp 400 Tiere genannt. Das Richten und Kommentieren ging über 2 Tage und war eine sehr anspruchsvolle und interessante Aufgabe. Ausgestellt wurden weibliche und männliche Tiere vom Jungtiere über Kühe bis zu Altstieren. Insgesamt waren über 70 Gruppen- und Gesamtsiegerentscheide zu treffen. Die Abteilungen der Jungtiere waren groß, Gruppengrößen über 20 Tiere keine Seltenheit. Gerichtet wurde ohne Kataloginformationen. Die Vorbereitung und Vorführung der Tiere war hochprofessionell. Ein Jungzüchterwettbewerb sowie ein Seminar zum Thema Exterieurbeurteilung zählten ebenfalls zu den Aufgaben des Richters.
Genetik – Österreich und Bayern dominieren…
Beachtlich war die Korrektheit der Tiere in den Jungtierklassen und die unglaublich hohe Dichte an exterieurstarken Altstieren. Die Kuhklassen waren vom Typ weniger einheitlich, vor allem hinsichtlich der Euterqualitäten. Nachkommen der Stiere RUMBA, DIONIS, HUPSOL, HIPPO, HUMID und HULOCK konnten die vorderen Plätze in den Siegerlisten belegen. Auch zahlreiche Nachkommen aus importierten Embryonen aus Österreich und Bayern fanden sich auf der Ausstellung. Emotion und Freude an der Fleckviehzucht war innerhalb und außerhalb des Schauringes zu spüren.
Fleckvieh – wirtschaftlich interessant…
Da es weder Leistungsprüfung noch Zuchtwertschätzung gibt, ist der Erfolg des Schauauftritts Orientierung und wirtschaftliche Basis für den Verkauf von Zuchttieren. Auf der abschließenden Auktion erreichten Fleckviehtiere Preise, die bei uns kaum vorstellbar sind.
Ehre, wem Ehre gebührt…
Der erfolgreichste Züchter der Ausstellung Cesar Valbuena wurde von Preisrichter Pfleger mit der Ehrenglocke der AGÖF ausgezeichnet. Weiters wurde Präsident Daniel Espinosa für die gute Zusammenarbeit mit der österreichischen Fleckviehzucht mit einem Präsent der GENETIC AUSTRIA geehrt.
Resümee…
Kolumbien beeindruckte durch landschaftliche Schönheit, Freundlichkeit, Gastfreundschaft und Begeisterungsfähigkeit der Menschen. Die Fleckviehzucht ist wirtschaftlich interessant und ein wachsender Zweig innerhalb der Landwirtschaft. Ein hoher technischer Standard ist auf dem Bereich der Reproduktionstechnologien vorhanden. Embryotransfer, Ovum-Pick-Up, In-Vitro-Fertilisation und Spermasexing sind allgegenwärtige Züchtungsmaßnahmen. Fleckvieh aus Österreich geniest einen hervorragenden Ruf unter den Züchtern. Ziele für die Zukunft sind die Verbesserung von Milchleistung, Euter- und Fundamenteigenschaften bei Beibehaltung des Doppelnutzungscharakters. Moderne Genetik aus Österreich in Form von Embryonen und Samen ist gefragt und soll mithelfen, dass diese Ziele erreicht werden können.
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| Jungtiergruppe |
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| Siegerstiere |
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| Übergabe AGÖF Glocke |
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| Jungzüchter |
(05.05.12) Rinderschau FVZG Oberwölz
(04.05.12) Fleckvieh ist Schrittmacher
(27.04.12) OptiGene-Züchterbefragung OptiGene ist ein Projekt zur Optimierung der Zuchtziele und Zuchtprogramme, das für drei Jahre anberaumt ist. Projektträger ist die ZAR in Zusammenarbeit mit ZuchtData, BOKU und Lebennsministerium.