Großer Auftritt für steirisches Fleckvieh im Land am Zuckerhut
Auf der großen Landwirtschaftmesse AGROLEITE 2010 im Bundesstaat Parana in Brasilien lieferte die Rasse Fleckvieh einen starken Auftritt. Fleckvieh zählt in Südamerika zu den wichtigsten Rinderrassen, insbesondere in Verwendung als Kreuzungspartner für lokal beheimatete Zebu-Rinder. Die entstehenden Kreuzungsprodukte haben den Vorteil, dass sie sich aufgrund der Milchsicherheit auch gut als Mutterkuh eignen. Erfreulich ist, dass die Nutzung des Fleckviehs als Doppelnutzungsrind mit besonderer Betonung der Milchproduktion auch in Brasilien immer mehr an Bedeutung gewinnt. Österreichische Genetik geniest einen hervorragenden Ruf. Ing. Reinhard Pfleger, Rinderzucht Steiermark wurde die Ehre zuteil nach Brasilien zu reisen und als Preisrichter die Rasse Fleckvieh zu richten.
Fleckviehzucht in Brasilien
Brasilien ist flächenmäßig etwa 100mal größer als Österreich. Aktuell leben ca. 190 Millionen Menschen in Brasilien, ebenso hoch ist der Bestand an Rindern. Etwa 300 Mitgliedsbetriebe betreiben organisierte Zucht der Rassen Fleckvieh und Simbrasil.
AGROLEITE 2010 – Die Schau
Die wichtigste Milchviehausstellung Brasiliens, die Agroleite, fand in Castrolanda im Bundesstaat Parana statt. Parana hat ca. 11 Millionen Einwohner, die Hauptstadt ist Curitiba.
Die Region zählt zu den bedeutensten Milchproduktionsgebieten Brasiliens. Seit Jahrzehnten prägen holländische und deutsche Einwanderfamilien das Bild der technisch hochstehenden Tierzucht und Landwirtschaft, die keine staatliche Förderungsmaßnahmen geniest. Die Rassen Holstein, Jersey und Braunvieh dominieren die Milchviehszene, der Ruf nach Fleckvieh als Alternative in der Milchproduktion wird erfreulicherweise immer lauter.
Über 700 Schautiere haben für die mehrtätige Agroleite genannt, wobei die Holsteinrasse mit über 400 Tieren den Löwenanteil stellte. Fleckvieh in Doppelnutzung stellte ein Kontingent von 120 Tieren.
Ing. Reinhard Pfleger hatte an 2 Tagen die Aufgabe die Fleckviehtiere als Einzelpreisrichter zu rangieren und zu besprechen. Als Gesamtsiegerin der Jungtiere kürte Pfleger nach spannendem Finale eine Hippo Tochter aus der bekannten steirischen Schaukuh Bibi zur Siegerin. Das Tier steht in Gemeinschaftsbesitz der Züchter Dr. Siervo und Dr. Procopiak und kam als Embryo nach Brasilien. Den Titel Gesamtchampion sicherte sich die 2 Kalbskuh Gebelle (V: Weimar) des Züchters Dr. Procopiak aufgrund ihres gewaltigen Körpers mit bester Doppelnutzungseignung. Abschließend stellten sich 7 Nachzuchtgruppen mit je 3 Tieren der Wahl. Zur Siegernachzucht wurde die Gruppe des steirischen Vererbers Link gekürt. Richtentscheide und Kommentierung fanden bei Publikum und Züchtern guten Anklang. Spannend gestaltete sich auch das Finale um die Wahl der besten Kuh der Schau über alle Rassen. Nach einer tollen Show einigten sich schließlich die Preisrichter aller Rassen gemeinsam auf die Jerseykuh als Supremechampion.
Messestand GENETIC AUSTRIA
Die Genetic Austria war durch den sehr engagierten Vertreter in Brasilien Dr. Franzisko Siervo auf der Messe präsent. Zahlreiche Holsteinzüchter bekundeten Ihr Interesse an Crossbreeding mit Fleckvieh. Gesucht werden die Vorteile der Rasse Fleckvieh im Bereich Fruchtbarkeit, Eutergesundheit, Milchinhaltstoffe und höherer Kälbererlöse.
Farm von Dr. Paolo Procopiak, Facenda Alianca
Beim Besuch der Farm des besten Fleckviehzüchters Brasiliens konnte ein Eindruck über die Wirtschaftsweise gewonnen werden. Der Betrieb umfasst 600 ha, wovon ca. 120 ha für die Viehwirtschaft genutzt werden. Der Rest ist als Ackerland an eine Agrarkooperative vermietet. 170 Tiere umfasst die Herde, gemolken werden 60 Kühe. Die Arbeit erledigt Verwalter Geraldo mit 4 Landarbeitern. Die durchschnittliche Leistung liegt zwischen 18-20 Liter Milch pro Tag. Der Milchpreis liegt umgerechnet bei etwa 35 Cent. Aufgrund der hohen Milchinhaltstoffe wird der Milchgrundpreis um über 30 % überschritten, ein Umstand mit dem vermehrt geworben wird, um Holsteinbetriebe zur Kreuzung mit Fleckvieh zu bewegen.
Die Herde bietet genetische Finessen. So konnten zwei originale Haxl Töchter besichtigt werden. Bei den Kühen dominieren Pasta, Horwein und Weimar die Vaterseite. Bei den jüngeren Tieren standen vermehrt die steirischen Väter Rotax und Loden in den Pedigrees.
Zusammenfassung:
Brasilien beeindruckte durch unendliche Größe und Weite aber auch durch landschaftliche Schönheit. Die Menschen sind freundlich, offen, emotionell und gastfreundlich. Der Rinderzucht wird ein hoher Stellenwert in der Gesellschaft entgegengebracht. Ein hoher technischer Standard ist auf dem Bereich der Reproduktionstechnologien vorhanden. Embryotransfer, Ovum-Pick-Up, In-Vitro-Fertilisation und Spermasexing sind allgegenwärtige Züchtungsmaßnahmen. Fleckvieh aus Österreich geniest einen hervorragenden Ruf unter den Züchtern. Ziele für die Zukunft sind die Verbesserung der Milchleistung bei gleichzeitiger züchterischer Bearbeitung der Eutermerkmale. Moderne Genetik aus Österreich soll mithelfen, dass diese Ziele erreicht werden können.
![]() |
Grand Champion Weimar Tochter Gebell |
![]() |
Championkühe Fleckvieh |
![]() |
Grand Champion der Jungtierklasse Jasmine (Hippo x Rehax Bibi) |
![]() |
Grand Champion Stiere (V: Horwein) |
![]() |
Töchtergruppe LINK |
![]() |
tolles Ambiente für 700 Schautiere |
![]() |
Championtitel aller Rassen ging an Jersey Züchter und Kuh wurden zu Ehren mit Milch übergossen. |
![]() |
Ehrenglocke der AGÖF für den erfolgreichsten Aussteller der Schau. |
Ing. Reinhard Pfleger, Rinderzucht Steiermark
(20.01.12) Wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass die neue Internetapplikation "Anpaarungsplaner Optibull" ab sofort für alle steirischen Züchter der Rassen Fleckvieh, Braunvieh, Holstein und Pinzgauer verfügbar ist.
(26.01.12) Jerseys werden in der Rinderzucht Steiermark erfolgreich betreut
(11.01.12) GENOSTAR setzt gemeinsam mit den Züchtern neue Maßstäbe in der Zucht.